Samstag, 21. März 2015

An Geld mangelt's nicht - aber auswendig lernen alleine genügt nicht

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Bildungssystem ThailandWährend Thailand's veraltetes und autoritäres Bildungssystem jungen Köpfen so schadet, dass sie weit hinter ihre Altersgenossen aus anderen Ländern fallen, haben hohe Tiere im Bildungssystem andere Sorgen: wie komme ich aus Spiel von Schuldzuweisungen heraus? 

Wenn thailändische Schüler und Studenten in nationalen und internationalen Tests konsequent durchfallen, zeigen alle mit dem Finger auf das Bildungsministerium. Schliesslich erhält es 24% des Staatshaushaltes. Das ist der höchste Prozentsatz der Welt.

Und ist nicht alles. Die Unterrichtszeiten in Thailand’s Schulen gehören zu den längsten der Welt. Ihre Ausbildungskompetenz jedoch zu den schlechtesten.

Die Unesco empfiehlt 800 Unterrichtsstunden pro Jahr. In Thailand sind es 1’000 in der Unter-, 1’200 in der Oberstufe. Schüler in Japan und Südkorea, bekannt für ihre sehr wettbewerbsfähigen, prüfungsbesessenen Bildungssysteme überschreiten keine 1’000 Stunden.

Viele Studien geben die Schuld an den schlechten Ergebnissen der Schüler und Studenten am thailändischen Fokus auf Auswendiglernen, ungenügende Unterrichtskompetenz, autokratische Schulkultur, mangelnde Rechenschaftspflicht und starre Zentralisierung.

Das Office of the Basis Education Commission, Obec, hat jetzt neue Schuldige gefunden. Es sagt, die Schulen sind nicht schuld. Auch nicht die Lehrer. Auch nicht das Bildungsministerium. Schuld sind andere staatliche Stellen und Projekte, die Kinder aus dem Klassenzimmer holen.

Gemäss Obec Generalsektretär, Kamel Rodklai, fressen ausserschulische Aktivitäten die Unterrichtsstunden auf. Kurz gesagt, Kinder lernen nicht genug. Die Lösung, wie die Obec sagt, liegt darin, ausserschulische Aktivisten und Exkursionen zu reduzieren, damit die Schüler mehr in ihren Klassenzimmern sitzen.

Ich wünschte, sie könnten meinen tiefen Seufzer hören.

Die jüngste Politik dieser Behörde, die alle Entscheidungen über die Grundschuldbildung in Thailand trifft, spricht Bände darüber, warum unser Bildungssystem in die Hoffnungslosigkeit abdriftet.

Die Schüler sollen 200 Schultage pro Jahr haben, sagt Kamol. Aber am Ende sind es nur 118, denn sie müssen nicht weniger als 67 Aktivitäten pro Jahr besuchen.

Dies erkläre, weshalb die akademische Leistung so schlecht sind, sagt er. „Wir wollen die Lernzeit den Schülern zurückgeben“, sagt er.

Er will die ausserschulischen Aktivitäten pro Jahr auf 40 beschneiden.

Das Problem ergebe sich aus einem Mangel an Koordination und die Tendenz vieler Ämter, Schüler für ihre Projekte zu rekrutieren, damit sie ein gutes Bild abgeben, meint Kamol, und ergänzt, dass Aktivitäten während Prüfungszeiten ebenfalls verboten gehören. 

Um fair zu sein, er hat recht, dass unnötige Aktivitäten reduziert werden können. Aber sollte alles andere nicht von den Schulen selbst entschieden werden? Warum müssen Köpfe in Bangkok ohne irgendeine Ahnung von lokalen Gegebenheiten über jede Minute im Detail das letzte Wort haben?

Den Wert von ausserschulischen Aktivitäten in Frage zu stellen und absolvierte Unterrichtsstunden mit akademische Qualität gleichzusetzen ist eine gefährliche Sichtweise - vor allem, wenn Auswendiglernen und mangelhafte Unterrichtsqualität die Norm sind.

Für Schüler ist der Besuch wichtiger kulturelle Stätten und Events oder im Team besondere Aufgaben anzugehen nicht nur eine Gelegenheit der langweiligen und bedrückenden Klassenraum Atmosphäre zu entkommen. Sie erhalten die Möglichkeit die richtige Welt kennen zu lernen.

Für viele Schüler, deren Eltern sich nichts leisten können, sind die von den Ämtern gebotenen Gelegenheiten sehr wertvoll.

Ich habe Freunde, die ihre Kinder zu Hause unterrichten oder in alternative Schulen mit lernfreudiger Umgebung senden. Sie wollen die Kreativität ihrer Kinder nicht durch ein drückendes Bildungssystem ersticken lassen - eines, das sich auf Schulbuch auswendig lernen und starke hierarchische Autorität beschränkt.

Hausunterricht und private Schulen sind teuer, Hausunterricht erfordert total Hingabe der Eltern. Nur wenige können sich das leisten und bieten.

Was die Obec als ausserschulische Aktivitäten bezeichnet, sind das eigentliche Herz ihrer Programme. Die Kinder besuchen Ausstellungen, lokale Gemeinschaften, lernen von Problemen und Erfolgen. Sie spielen Musik, besuchen Workshops. Sie zeichnen, kochen, pflanzen Bäume, schreiben Tagebücher. Sie denken, sie fragen, haben Spass - und das ist, wie sie lernen und wachsen.

Wenn überhaupt, zeigt die neueste Obec Politik, wie fern sie von den Bedürfnissen junger Menschen steht. Und wie ablehnend sie eigenen Fehlern, gewachsen aus der Zentralisierung, gegenüber steht.

Nicht versuchen der Schuld zu entkommen. Sich den harten Fakten stellen. Gemeinden darüber entscheiden lassen, wie sie ihre Kinder ausbilden. Nur dann kann Thailand seinem Bildungstrott entkommen.

Ein Kommentar von Sanitsuda Ekachai, Bangkok Post

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