Donnerstag, 5. Februar 2015

Worüber wird an Sitzungen zur "Anpassung der Einstellung" gesprochen?

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Sutichai Yoon Nation
Ein Kommentar von Sutichai Yoon. 
Nein, sie müssen keine Minderwertigkeitskomplex entwickeln, wenn sie nicht zu einer Sondersitzung, bekannt als "Anpassung der Einstellung", mit vom Nationalen Rat für Sicherheit und Ordnung zugeordneten Offizieren eingeladen wurden.

Diese Sitzungen waren kurz nach dem Coup vom 22. Mai spannender. Sie gingen in Gruppen. Sie hatten Gesellschaft. Sie mussten über Nacht bleiben und es gab reichlich zu Essen. Man konnte sogar die militärischen Wachen in sein Lieblingsrestaurant einkaufen schicken. Und bevor sie vorbei waren, erhielten sie einige Papiere zur Unterschrift, um alles Schwarz auf Weiss zu bestätigen.

Letzte Woche wurden diejenigen, die privilegiert genug sind, hinter verschlossenen Türen in einer kürzeren Sessions behandelt. Es war eine Ein-Tages-Affäre und die Teilnehmer erhielten nicht das volle Programm. Noch schlimmer, sie wurden auf eins-zu-eins Basis eingeladen. Sie konnten sich nicht mit Freunden beraten. Sie hatten nicht genügend Partner für ein Kartenspiel. Und das Gefühl der Geheimhaltung, welches das Selbstwertgefühl in Höhen treibt, löste sich in Luft auf.

Ich weiss wirklich nicht, was in diesen Sitzungen, welche angeblich die "Einstellung" "anpasst" geschieht. Und ich bin mir nicht sicher, wessen Einstellung angepasst wurde. Aber das offensichtliche Ergebnis war ziemlich erstaunlich. Ausnahmslos alle, das heisst fünf bis sechs ehemalige Politiker, verliessen die Sitzungen ohne bittere Reaktionen - ganz im Gegensatz zu ihren Äusserungen, kurz vor sie mit einer Einladung beehrt wurden.

Ich bemerkte, dass die meisten von ihnen lächelten, wenn sie das Zimmer des Meinungsaustausches verliessen. Und alle gaben positive Kommentare ab. Man kann nicht sagen, dass sie durch ihre Erfahrung verwandelt wurden, aber man kann sicher vermuten, dass sie ein gewisses Verständnis entwickelt hatten.

Nun, ob ihre "Einstellung" "angepasst wurde oder nicht ist eine andere Geschichte. Ich war nicht überrascht, dass kein Reporter nach dem Geschmack des Kaffees oder Tees gefragt hat. Aber ich war wirklich verärgert, dass niemand fragte, ob ihre "Einstellung" in den gut drei Stunden der Gespräche "angepasst" wurde. Viele Meinungen mussten ausgetauscht worden sein, auch wenn es noch nicht klar ist, ob es einseitige Vorträge oder lebhafter, offener Meinungsaustausch war.

Man könnte angesichts der Umstände annehmen, dass der Gastgeber den Gast überzeugen will, seine Einstellung gegenüber den Machthabern zu ändern. Aber angesichts der Tatsache, dass die meisten der ehemaligen Politiker, die zu diese speziellen Sitzungen eingeladen wurden, sich sehr wortgewandt äussern können, ist es auch möglich, das das Gegenteil stattfand. Das könnte man aus all den glücklich lächelnden Gesichtern schliessen.

Sicher scheint, dass die Diskussionen in einer sehr freundlichen, zivilisierten und respektvollen Atmosphäre statt fanden. Nein, sie können nicht erwarten, dass beide Seiten in völligem Einverständnis waren, besonders nicht über Politik.

Ich war nicht in persönliche Gespräche eingeweiht. Aber dies ist thailändische Politik, sie können sicher sein, dass der Austausch mit einem entschuldigenden Haftungsausschluss von beiden Seiten begonnen hat:

Gastgeber: Es tut mir leid, sie zu dieser "Anpassung ihrer Einstellung" Sitzung eingeladen zu haben. Ich habe nichts gegen sie persönlich. Ich werden ihnen nicht sagen, das sie aufhören sollen zu sprechen und ich werde nicht sagen, dass sie ihre Gedanken über Politik ändern sollen. Es ist nur so, dass der Chef möchte, dass sie kooperieren, indem sie nicht über Politik sprechen, die Uneinigkeit auslösen könnte. Selbstverständlich respektiere ich ihre freie Meinungsäusserung. Ich folge nur dem Befehl meines Chefs, sie zu einem ruhigen Gespräch einzuladen. Bitte versehen sie mich. Ich mache nur meine Arbeit.

Gast: Machen sie sich keine Sorgen. Ich verstehe ihre Situation perfekt. Tatsächlich empfinde ich Sympathie für sie. Ich weiss, dass sie eine harte Zeit haben, während sie versuchen, dieses Land vor dem Chaos zu retten. Ich habe nichts gegen sie. Aber sehen sie, sie müssen mich auch verstehen. Wenn ich zu lange Zeit ruhig bleibe, könnten die Leute, die ich mit meiner politischen Rhetorik beeindrucke, mich vergessen. Ausserdem muss ich meinem Chef gefallen. Er wurde gefragt, warum ich denn so ruhig sei. Also, wenn ich etwas nicht so Positives über ihren Chef sage, sagen sie ihm bitte, es sei nur meine Art für meine Seite der Geschichte relevant zu bleiben. Andernfalls könnten sie mich ein für allemal fallen lassen - und das wäre meine Ende. Also so bitte, sympathisieren sie mit mir.

Ich glaube nicht, dass sich Gastgeber und Gast tatsächlich umarmten - oder sogar zusammen weinten. Aber ich bin sicher, dass sie das Treffen mit einer "angepassten Einstellung" verliessen und beide, zurück in ihren Quartieren, sich zum Sieger ausriefen.

Ein Kommentar von Suthichai Yoon, er ist Vorsitzender der Nation Multimedia Group.

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