Mittwoch, 4. Februar 2015

Sexarbeiterinnen sind viel mehr als nur Statistik

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Ein Kommentar von Sanitsuda Ekachai. Sie verkaufen ihre Körper um ihre Familie aus Armut zu befreien. Jetzt werden sie verhaftet und ins Gefängnis geworfen um Thailand von seinem Ruf als einer der weltweit schlimmsten Menschenhändler zu befreien.

Razzien im Kampf gegen Prostitution in Thailand
Die Polizei in Thailand macht derzeit verstärkt Razzien im Kampf gegen Prostitution.  
Ich spreche von den vielen armen, jungen Mädchen aus Nachbarländern, welche das Glück suchten und als Sex Arbeiterinnen endeten. Und jetzt in Gefängnissen und Gefängnis ähnlichen Rehabilitationszentren welken, während die Polizei ihre Bilanz im Anti-Menschenhandel verbessert.

Es braucht immer zwei für einen Tango. Wie kommt es, dass nur die Sex Arbeiterinnen verhaftet werden und nicht auch die Freier?

Die Betreiber der Bordelle und Beschaffer der Menschenware sind eigentlich die zentrale Ziele des Gesetzes über Prostitution, doch sie bleiben auf freiem Fuss. Warum?

Warum bestrafen wir das schwächste Glied des Handels mit Frischfleisch?

Welches Recht haben Polizisten verängstige Mädchen wie Vieh ins Blitzlicht von Pressefotografen zu treiben, sie dazu zu zwingen, ihre Köpfe aus Scham zu bedecken? Nur damit sie ein paar Punkte für ihre Karriereleiter erhalten?

Verdächtige der Presse vorzuführen ist eine grobe Verletzung der Menschenrechte. Dennoch es ist es allgemeine Praxis der Polizei.

In den letzten Wochen sind oft Fotos von jungen Mädchen, welche versuchen ihr Gesicht zu bedecken in Zeitungen und anderen Medien erschienen. Es scheint, die Regierung versuche den USA und Europa die Nachricht zu vermitteln, das jetzt im Kampf gegen Menschenhandel ernst gemacht wird.

Wird die Rechnung aufgehen? Um Sanktionen zu entgehen, muss Thailand zeigen, dass es gegen die Grossen im grenzüberschreitenden Menschenhandel vorgeht. Wo sind sie, die Bosse, die Makler, die Beschaffer?

Auch das Gesetz über Prostitution - nach der Änderung 1996 - widerruft bereits die Inhaftierung von Sex Arbeiterinnen. Sie werden seither, wenn sie erwischt werden, nur noch mit 1’000 Baht Strafgeld gebüsst. Warum wurden sie denn jetzt verhaftet?

"Viele der verhafteten Mädchen wurden als Beschafferinnen verhaftet", sagt Naiyaya Supapueng, eine Anwältin für Gleichberechtigung der Geschlechter und frühere Menschenrechtskommissarin.

Gemäss ihren Interviews mit vielen Sex Arbeiterinnen, treten die Polizisten als angebliche Kunden auf, fragen eine der älteren Frauen nach ihrer Empfehlung und lassen sich ein Mädchen bringen. Dann werden sie festgenommen.

Andere Mädchen werden verhaftet und bestraft nachdem sie in Etablissements angetroffen werden, in denen Prostitution vermutet wird. Weil viele von ihnen noch Teenager sind, werden sie in Rehabilitations Zentren verschafft. Angesichts der strikten Routine, Enge und aus Mangel an Freiheit versuchen viele zu fliehen und landen in den offenen Armen der Menschenhändler.

Naiyana war eine der vorantreibenden Kräfte des heute gültigen Prostitutionsgesetzes. "Wir dachten, das neue Gesetz würde Sexarbeiterinnen helfen und Gleichheit der Geschlechter bringen. Wenn Sexarbeiterinnen für ihre Arbeit bestraft werden, dann müssen auch ihre Freier bestraft werden."

"Das Gesetz fokussiert auf Leute, welche Sexarbeiterinnen ausnutzen. Aber es funktioniert nicht so. Der kulturelle Wert "schlechte Mädchen gehören bestraft" sitzt in unserer Gesellschaft zu tief und ist zu kraftvoll."

Dieser Glaube neutralisierte die Entkriminalisierung der Prostitution, als das Gesetz vor 20 Jahren in Kraft trat, sagt Naiyana.

"Die Leute wollten noch immer Verhaftungen, Strafen und Zwangsrehabilitation. Sie glaubten, dass sich noch viel mehr Mädchen prostituieren, wenn es keine Strafen mehr gibt", erinnert sie sich. "Sie haben gewonnen."

Auch wenn es in Thailand Gesetze gegen Menschenhandel gibt, die Opfern helfen, erhalten Opfer keine Hilfe, wenn sie in der Sex Industrie arbeiten.

Als engagierte Anwältin glaubt sie noch immer, das ein neues Gesetz, welches Sexarbeit als Arbeit behandelt zu einer deutlichen Abnahme von Missbrauch und Ausnutzung führen würde.

"Wenn die Mädchen wissen, dass die nicht verhaftet werden, hätten sie viel mehr Macht, ihren Arbeitgeber und Arbeitsort zu wählen. Jetzt fühlen sie sich nur sicher, wenn sie für jemanden arbeiten, der sie von der Polizei beschützen kann", gibt Naiyana zu bedenken.

Nicht alle ihrer feministischen Freundinnen sind damit einverstanden. Für sie gehört Prostitution nicht geduldet, weil sie den kulturellen Glauben unterstütze, dass Frauen Sex Objekte sind.

Was mich betrifft, ich habe kein Dilemma. Mit fremden Menschen Sex haben und Missbrauch riskieren sollte der letzte Ausweg für Frauen sein. Die Gesellschaft sollte alles unternehmen Frauen mit den notwendigen Instrumenten auszustatten, damit sie ihr Potenzial nutzen können. Wenn sie das nicht macht, hat sie weder ein Recht ein Urteil zu fällen noch eines, sie zu bestrafen, wenn Frauen durch Lebensumstände gezwungen werden, sich und ihre Familien durch Sexarbeit zu ernähren.

Wenn die Gesellschaft Prostitution noch immer verteufelt, können Frauen nicht ausgegrenzt werden. Wenn das nicht möglich ist, dann lasst sie in Ruhe.

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