Donnerstag, 8. Januar 2015

Eine Flussfahrt in die Hölle - für Einheimische und Touristen

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Für viele Einwohner Bangkok's ist eine Bootsfahrt auf dem majestätischen Chao Phraya und seinen Kanälen ein Traum, den sich nur Touristen erfüllen. Die meisten Hauptstädter stecken von morgens bis abends im Beton Dschungel fest.

Statt Genuss erlebte Sanitsuda Ekachai einen Höllentrip auf dem Chao Phraya. 
Meine Freundinnen und ich entschieden uns am Neujahrswochenende mal was anderes zu machen und für eine Stunde auf dem Chao Phraya Touristen zu sein. Wir erwarteten eine kurze, genussvolle Flucht aus unserem Alltag. Aber, was wir erlebten, war genau das, was auch Touristen nicht erleben wollen - Belästigung, Lügen und Betrug.

Unser unerwartetes Abenteuer begann nach dem Mittagessen in einem kleinen, behaglichen Hotel am Fluss. Weg von den täglichen Verpflichtungen als Frau, Mutter und Tochter. Wir alle dachten, die Bootsfahrt wäre die Krönung unseres gemeinsamen Nachmittags.

Wir beschlossen ein Longtailboot vor dem Hotel zu nehmen. Ein Frau in ihren Fünfzigern stand beim Schild, welches die Route anpreist. Ich fragte nach dem Preis, sie antwortete mit einem kühlen, beinahe feindlichem Blick: „1’000 Baht die Stunde“, und drehte sich weg.

„Von wo bis wo?“, insistierte ich.

„Nach Bangkok Noi und zurück durch den Mon Kanal“. Kurz und knapp kam ihre Antwort, ohne wirklich aufzuschauen.

„Ich habe kein gutes Gefühl“, sagte ich meinen Freundinnen, „lassen wir’s bleiben.“

Ihre flehenden Augen sagten mir, dass sie sich wirklich gerne den frischen Wind durch die Haare rauschen lassen und ihre Gesichter mit Spritzern der Wellen kühlen wollen - einen Moment so ganz ohne Sorgen und Verpflichtungen geniessen.

Da näherte sich ein Touristenpaar aus Frankreich und fragte, ob wir die Fahrt mit ihnen gemeinsam machen und so die Kosten von 1’500 Baht unter fünf Leuten aufteilen könnten. Sie hätten sich mit dem Bootsmann, wahrscheinlich dem Mann der Frau, welche uns ohne Grund zu hassen schien, auf diesen Preis geeinigt.

Meine Freundinnen strahlten. Aber schon bald, als wir durch die ersten Wellen ritten, überschüttete uns der Bootsführer, ein beleibter Mann Ende 50, mit seinem Ärger. „Wieso kommen die mit euch?“ brüllte er zu uns, „diese Leute, immer wollen sie dich bescheissen, immer. Als wir ihnen zuvor den Preis gesagt hatten, verschwanden sie und kamen mit euch zurück. Das sind Betrüger!“

„Was ist das Problem?“, fragte ich mit meiner strengsten Miene.

„Kein Problem“, antwortete er noch immer wütend. „Sie kennen die Sorte nicht. Die betrügen uns immer.“

Als uns andere Boote überholten fragte der junge Franzose den Steuermann, ob er schneller fahren könne. Seine Antwort war eine weitere wütende Tirade auf Thai: „Schneller um zu sterben, oder was? Sie fragen uns ständig alles Mögliche. Ich habe so die Schnauze voll von diesen Leuten die nichts wissen.“

Dann kam die junge Französin und fragte ob es möglich sei, durch kleinere Kanäle zu fahren.

Die Antwort des Bootsführers erstaunte mich nicht mehr. Aber ich war erstaunt über seinen Ärger, der an Hass grenzte.

Nach zwei kurzen Halten zur Fütterung von Fischen und um etwas Süsses zu kaufen, verlangsamte er und stoppte inmitten des Flusses, ging auf das Touristen Paar zu uns bellte: „Zahlen.“

Sie verweigerten und bestanden auf Zahlung nach Ende der Fahrt. Er brüllte lauter, seinen Augen leuchteten Furcht erregend, seine Körpersprache war bedrohlich. Wie Geiseln fühlend, bezahlten wir schicksalsergeben.

„Wenn ich erst am Schluss einziehe, rennen die Leute weg. So viele Male wurde ich schon beschissen.“

Dann kündigte er das Ende der Fahrt an. „Was ist nun mit dem Mon Kanal?“, fragte ich. „Geschlossen“, sagte er. Ende der Konversation. Er war noch immer wütend, als wir ausstiegen. War es ein Trick uns einzuschüchtern, dachte ich und dreht mich um: „Wenn sie immer so sind, wird niemand mit ihnen fahren wollen.“ 

Er brüllte zurück, noch wütender: „Wen interessiert’s? Andere Leute wollen noch immer mit mir fahren.“

Als wir sicher an Land standen, kam ein Mitarbeiter des Hotels auf uns zu und sagte, dass wir mit einem Mafia Boot gefahren wären. Das junge französische Paar hingegen meinte, es sei für sie nichts Neues, in Thailand abgezockt und angegriffen zu werden. „Beinahe alle, die uns Touren und Trips anbieten gehen so vor.“

Als mein Ärger verrauchte, versuchte ich die Bootsvermieter zu verstehen. Sicher müssen sie Beamte schmieren um ihr Geschäft betreiben zu können. Laden sie ihren Ärger einfach auf uns ab? Führen ihre eigenen Anstrengungen Touristen ab zu zocken, oftmals viel zu überrissen, zu ihrem Ärger?

Eins ist klar, ich werde niemals mehr dahin gehen. Und ich wäre nicht überrascht, wenn Touristen nicht mehr nach Thailand zurück kommen.

Ein Kommentar von Sanitsuda Ekachai. Sie ist Editor bei Bangkok Post.


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