Donnerstag, 29. Januar 2015

Buddhismus, Leichtgläubigkeit und die moderne thailändische Gesellschaft

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Von Thitipol Panyalimpanun. Vor einigen Wochen sorgte ein Foto eines Mönchs für Aufheben in Thailand's Sozialen Medien. In der Mitte des Bildes war der verstorbene, sehr verehrte Mönch Luang Pu Waen in Meditation zu sehen, nicht vor seinem Altar, sondern in der Luft schwebend. Es war schockierend, nicht weil es magisch war. Jeder, der mit Photoshop umgehen kann, weiss das. Schockierend war die Anzahl Menschen, welches das Foto als wahre Münze nahm, bestätigt durch Hunderttausende von Likes und vielen Hundert Kommentaren.

Ein Mönch geht während der Proteste letztes Jahr an einem Soldaten vorbei.
Schockierend, aber kaum überraschend in Thailand, wo der Buddhismus Staatsreligion ist und 95 Prozent der Bevölkerung Buddhisten sind. Alles was in einem Zusammenhang mit Buddhismus steht, von Mönchen bis zu Tempeln nutzt oft den Vorteil des Zweifels. Als sich das Foto von Luang Pu Waen schliesslich als Fake herausstellte sagte viele: "Schon gut, niemand wurde geschädigt. Es war gute Absicht." Das ist genau das Problem. Alles was mit Buddhismus zu tun hat braucht wenig Beweis, weil es mit dem Schild von Glaubwürdigkeit und Moral des thailändischen Buddhismus ausgestattet ist.

Das war so mit vielen einzigartigen Lehren von thailändischen Mönchen und Nonnen in den letzten Jahren. Das reicht von Bemerkungen der Nonne Tossaporn, dass die Nutzung von Skype zukünftige Verdienste schmälere bis zu Behauptungen, was Steve Jobs im Jenseits macht. Aber die glorreichste Eingebung kam vom in Sozialen Medien versierten Mönch Vajiramedhi, der mehr als 1.1 Mio. Follower auf Twitter hat: "Sei nicht leichtgläubig mit Wissenschaft" und bezweifelte logisches Denken.

Falsche Überzeugungen gibt es unter den Bezeichnungen Schwindel, Mythen und Aberglauben überall in der Welt und sie können leicht durch Tatsachen freigelegt und lächerlich gemacht werden. Aber das ist nicht immer so in Thailand. Thailand ist ein Land, in dem es einfacher ist selbstgerecht als vernünftig zu sein. Und selbstgerecht zu sein genügt, so scheint es.

Thailand ist seit langem mit dem Buddhismus verwurzelt, und der Buddhismus ist ein fester Bestandteil der Mainstream Kultur geworden. Respekt vor Buddhismus wird jungen Menschen durch Zeremonien und Fernsehprogramme eingeflösst, gefolgt vom Pflichtfach Buddhismus in der Schule - auch für Nicht-Buddhisten. In Gesprächen gibt es bestimmte Ausdrücke, die gebraucht werden müssen, wenn mit einem Mönch gesprochen wird. Zum Beispiel "Chan" statt "Kin" für Essen. 

Thailändische Varianten von TV Shows wie "Father Ted" und "Monk" sind unvorstellbar in einem Land, in dem Szenen aus einem Film zensiert werden, in der Mönche mit einer ferngesteuerten fliegenden Untertasse spielen. Wir könnten den ganzen Tag darüber diskutieren, aber Menschen durch Glauben zu gutem Tun zu ermutigen oder Menschen religiös zu machen sind zwei paar Schuhe.

So ist es klar, dass in Thailand viele Mönche ausserhalb ihrer traditionellen Rolle wirken. Sie wurden Demonstranten, Twitter Berühmtheiten und TV Moderatoren. Ist das zuviel weltliches Engagement für Männer, die angeblich Einsamkeit auf dem Weg nach Frieden und dem Nirvana suchen? Die Dhammakaya Tempel mit ihren zweifelhaften Praktiken, welche oft an die Öffentlichkeit gebracht werden haben noch immer eine grosse, engagierte Anhängerschaft. Und trotz eine Serie von Skandalen von Mönchen in den letzten Jahren, bedeutet Mönch zu sein immer noch ein Akt zur Reinigung der Seele.

Das letzte Jahr war ein arbeitsreiches Jahr für thailändische Mönche und Klöster. Nicht nur, dass PRDC Führer Suthep Thaugsuban erst den Protest gegen ex Premier Yingluck anführte, nach dem Militärputsch Mönch und in Mönchsrobe Cover des Lips Magazin wurde. Viele andere Mönche machten Schlagzeilen. Der betrunken autofahrende Abt aus Surat Thani, der in einen Pickup krachte oder der wütende Mönche, der in einem Zug einen Englisch Lehrer ohrfeigte.

Alle die Sorgen über schlechtes Verhalten von Mönchen führten dazu, dass die Behörden eine Hotline für Beschwerden eingerichtet haben.

So sehr diese Skandale den gläubigen Buddhisten auch Probleme bereiten, so zeigen sie doch auf, dass auch Mönche Menschen sind und Fehler machen können. Viele Thais sind beunruhigend leichtgläubig, vor allem wenn es um buddhistische Angelegenheiten geht. Der Glaube schützt Zweifel gegen Vernunft. Er sollte nicht. Wir wollen eine Gesellschaft, die nicht leichtgläubig auf alles herein fällt. 

Thais müssen Vertrauen finden, dass nichts zu edel oder zu hoch ist um nicht kritisiert oder in Frage gestellt werden zu können. 

Rationales und Religiöses passen nicht immer zusammen, aber die moderne Thai Gesellschaft wird schliesslich den Weg finden. Weil gute Absicht und Furcht vor Sünde allein nicht ausreichen werden.

Thitipol Panyalimpanun ist ein Schriftsteller aus Bangkok und schreibt hauptsächlich über Kunst, Film und Kultur. Zur Zeit lebt er in New York, wo er einen Master-Abschluss an der New York University absolviert. Folgen Sie ihm auf Twitter: @ThitipolP.

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