Montag, 8. Dezember 2014

Viel Geld für nichts - Ruf nach Bildungsreform in Thailand

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Besorgnis über Veränderungen nach dem Putsch und die selben, alten Probleme. Sie war immer ein neugieriges Kind, das sich für Wissenschaft interessierte und alles wissen wollte. Aber das verpuffte, nachdem die 17-jährige Nattanan Warintaeawet sich bei der Triam Udom Suksa, einem der Top-Gymnasien eingeschrieben hatte.
Schule in Thailand
Morgenappell: Erste Werte rezitieren, dann kommt die Nationalhymne. 
"Ich wurde für abnormal gehalten, weil ich Äusserungen des Lehrers in Frage stellte. Es gibt keine Debatten in der Klasse. Wenn einer versucht, eine Diskussion anzuregen, wird ihm gesagt, er sei seltsam und dass es keinen Sinn mache zu streiten."

Ihr Frust mit dem thailändischen Bildungssystem spitzte sich zu, als der General und heutige Premierminister Prayut Chan-o-cha seine 12 Werte vorstellte, die jeder Thai verinnerlichen sollte. Die Schüler wurden aufgefordert, die Werte täglich zu rezitieren.

Für Nattanan war dies nicht nachvollziehbar. Kein wirklicher Reformansatz für ein Bildungssystem, dem schon lange jedwelches Lernen von kritischer Reflexion abgeht, in dem Auswendiglernen das Mass der Dinge ist und das eine Drehtür bietet für immer wieder neue Führungskräfte mit immer wieder neuen Richtlinien.

So verstiess Nattanan letzten Monat gegen das Kriegsrecht und protestierte mit gleichgesinnten Studenten vor dem Bildungsministerium. Sie wurde die jüngste Aktivistin, die unter die Räder der thailändischen Militärregierung kam. Im Gegensatz zu anderen wurde sie nicht in eine Polizeiwache oder Kaserne abgeführt.


Aber der ehemalige Marinechef und heutige Bildungsminister Narong Pipatanasai deklarierte die 12 Werte als makellos und suggerierte, dass deren Gegner abnormal sein könnten.

Die 12 Werte beinhalten Ehrlichkeit, Geduld, positive Einstellung für das Gemeinwohl und Lernen und Verständnis des wahren Wesens der demokratischen Ideale mit seiner Majestät dem König als Staatsoberhaupt. Sie umfassen auch Disziplin und Respekt vor Gesetzen, älteren Menschen und Dienstalter.

Diese Werte und eine Fokussierung auf die thailändische Geschichte bleiben die sichtbaren Veränderungen der Reform. Alles andere wird im gewohnten Fussgängertempo des Bildungsministeriums untersucht oder wird bearbeitet.

Unter Pädagogen und Arbeitgebern aber schwelt Ungeduld. Dr. Sutaasi Smuthkochorn, Dozent und Experte des nationalen Amtes für Bildungsstandards und Qualitätsbewertungen bestätigt die Unzufriedenheit.


"Was immer jetzt auch gesagt wird, darüber hatten wir bereits vor 30 Jahren diskutiert. Es sind die selben alten Probleme."

Geld ist keines. Im Haushaltsplan 2015 wurde dem Bildungsministerium 500 Milliarden Baht zugesprochen, ein Fünftel der gesamten Staatsausgaben. 

Schon lange gibt das Königreich mehr für Bildung aus als die Nachbarstaaten und entwickelte Länder. Gemäss der Weltbank 7.6 Prozent des Bruttoinlandproduktes, in Singapur sind es nur 3. 

Doch die Ergebnisse bleiben enttäuschend. In der diesjährigen Studie des Schweizer Institute of Management Development kam Thailand auf Platz 54 von 60 geprüften Volkswirtschaften, 3 Ränge schlechter als im Vorjahr. Im Ranking des World Economic Forum über globale Wettbewerbsfähigkeit steht die Bildungsqualität Thailands an 75. Stelle von 144 Ländern, hinter Senegal, Ruanda und Albanien. 

Viele Studenten werden vom fragen- und erkärungsfreien Unterricht abgeschreckt. Der 16 Jahre alte Parit Chiwarak, der ebenfalls an der Triam Udon studiert, sagt: 


"Ich glaubte, Ziel des Geschichtsunterrichts sei, die Probleme der Welt zu verstehen. Aber uns wird nicht gesagt, weshalb Dinge geschehen, weshalb der König dies, die Königin jenes macht.

Die Defizite in der Hochschulbildung in Thailand bringen nicht vermittelbare Absolventen hervor. Der in Bangkok ansässige Marc Spiegel, er stellt Leute für den Eisenbahn- und Infrastruktur Sektor an, meint: "Ein grosser Teil der multinationalen Unternehmen wollen keine Thais mit lokaler Ausbildung. Thais, die keinen internationalen Hintergrund haben, weder bei einem multinationalen Unternehmen gearbeitet, noch eine Schule im Ausland oder eine internationale Schule in Thailand besucht haben und Englisch nicht auf hohem Niveau sprechen. 

Thailand gehört gemäss dem aktuellen Education First English Proficiency Index zu den wenigen Ländern mit sehr niedriger Kompetenz in Englisch. Der Index vergleicht die Sprachkenntnisse eines durchschnittlichen Erwachsenen in 60 Ländern.

Obwohl die Militärregierung sich selbst als Übergangsverwaltung bis zu einer gewählten Regierung in gut einem Jahr bezeichnet, könnte sie den Weg vorzeichnen. 

"Sie könnte die Grundlage dafür legen, wie die nächste Regierung arbeitet", sagt Spiegel, der auch stellvertretender Vorsitzender der Joint Foreign Chambers of Commerce ist. Er schlägt vor, dass die Lehrer umgeschult und die Lehrpläne überarbeitet werden.

"Sie könnten zum Start Diskussionen über die 12 Werte führen", sagt Chuenchanok Kovin, Dozent an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Chulalongkorn Universität. 

"Die Lehrer sollten den Studenten die Werte erklären, Kritik erlauben, statt sie einfach nur zu rezitieren."

Quelle: Nation

Kommentare :

  1. Hier unter dem Link kann man die 12 Werte in Deutsch nachlesen und dazu gleich einige kritische Anmerkungen.

    http://passauwatchingthailand.com/2014/12/01/fragen-uber-fragen-zu-den-12-werten-nach-general-prayuth/

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  2. Übrigens.......

    Ich habe in meiner Verwandtschaft in Bangkok ein Mädchen von mittlerweile ca. 19 Jahren. Sie besuchte nach der üblichen staatlichen Schule 4 Jahre lang eine Privatschule. Um sich an einer solchen "guten" Schule einschreiben zu dürfen, musste man eine finden und da als erstes mal die Aufnahmeprüfung absolvieren.

    An der einen renommierten Schule meldeten sich 2000 Schüler zur Aufnahmeprüfung, .......ca. 100 Plätze waren zu vergeben. Es konnten also nur die besten 5% auf einen Platz hoffen.

    Nun ging das Mädchen, welches übrigens mehrere Jahre Privatunterricht nahm um auf diese Schule vorbereitet zu werden, also dorthin ....lag aber hinter den 5% der besten.

    Trotzdem kam man zu den Eltern des Mädchens, also der Schwester meiner Frau, und bot dieser an für 150-tausend Baht einen Platz für das Mädchen zur Verfügung freizumachen, sie also unter die 100 Besten Prüfungsabsolventen einzureihen.

    Mir wurde die Geschichte wohl erläutert, weil man doch insgeheim irgendwie hoffte ich würde das etwas aushelfen und Geld dazu beisteuern.

    Ich jedoch bin von doesem Schulsystem in keinster Weise überzeugt, denn das System schaffte es nicht einmal diesem Mädchen in 4 Jahren Englisch Unterricht so viel beizubringen damit ich mich mit ihr unterhalten kann.

    Zudem frage ich mich, wer waren die 100 besten dieser Aufnahmeprüfung die schliesslich aufgenommen wurden....???
    Waren es die "Besten" oder doch nur einfach die Kinder jener Eltern die einfach schlicht genug Bestechungsgelder bezahlen konnten....???

    Schlussendlich besuchte sie nun eine UNI die auch sehr teuer ist, bei der sie aber die Aufnahmeprüfung schaffte.
    Auf Irgend so eine, wo der Nachwuchs für jene Medien-Anstalten wie das Fernsehen ausgebildet wird.

    Ich hatte immer den Gedanken das Mädchen, ....pardon Fräulein, anschliessend mal für ein Jahr hier in der Schweiz auf die UNI zu schicken. Aber davon bin ich abgekommen, denn ein Universitätsabgänger aus Thailand könnte hier nicht mal in einer Maturaklasse mithalten.

    Es ist halt einfach Thaistyle, man produziert Masse statt Klasse und Studienabgänger die dann lediglich Bürojobs belegen, zu mehr reichts nicht.

    Leider geht man den Weg gerade in Deutschland auch zunehmend. Die Matura dort ist ja auch nicht mehr viel Wert.

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  3. Da würde ich mal den Ball etwas flacher halten. Deutscher Schulunterricht mit Thailändischen zu Vergleichen ist schon sehr Abwegig. Und nachwievor ist Deutschland was Zukunftstechnologien betrifft einer der Führenden Ländern dieser Erde. Da muss selbst die Schweiz viel nachlegen um mithalten zu können. Somit können die Uni Abschlüsse garnicht so schlecht sein. Was aber das Thailändische Bildungsniveau betrifft gebe ich dir Traurigerweise Recht. Das meiste was geschult wird ist Kritiklose Unterwürfigkeit. Solange aber sich die Breite Masse das auch Gefallen läßt, ist kaum änderung in Sicht.
    Die Eliten, die das Nötige Kleingeld hat, schickt ihre Schüler ohnehin ins Ausland. Bestens Ausgebildet zurück in der Heimat können die Positionen Übernehmen wovon die meisten nur Träumen können. Damit Sichert sich die Eliten Macht und Geld unter sich und können leichter die Massen lenken. Die haben kaum interesse am System etwas zu ändern.

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