Mittwoch, 24. Dezember 2014

Totschweigen, Vertuschen und Vergessen

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Ein Kommentar von Kong Rithdee
Du hast die Nachrichten gehört, und du weisst worüber sie sprechen, auch wenn sie nicht darüber sprechen. Oder vielleicht weisst du es nicht, aber du denkst, du weisst es, und weil sie weiterhin in Rätseln sprechen, vor vorgehaltener Hand vor sich hin flüstern, bist du nicht sicher, ob sie wirklich davon sprechen. Worüber? Diese Polizisten, die vom Himmel in den Rinnstein fielen, unter anderem. Aber worüber sprichst du wenn du über etwas sprichst, zu dem niemand etwas sagt, wenigstens nicht öffentlich. Du folgst dem starken Sog in den Speicher von Spekulationen und in die Gerüchteküche. Du tust es, ich tue es, wir alle tragen unseren Beitrag zur Nicht-Wissen Gesellschaft bei.

Wenn das bisher keinen grossen Sinn macht, entschuldige, aber du weisst, worüber ich spreche, auch wenn ich nicht darüber spreche. Die Sprache ist frei, aber sie kann eingezäunt werden. Lange genug eingezäunt, verschwinden gewisse Worte und Ausdrücke, werden unsichtbar. Ich glaube nicht, das das gut ist, aber steht mir nicht zu, darüber zu urteilen.

Wir waren schon immer eine Nicht-Wissen Gesellschaft. Unsere Geschichte ist eine schwache Geschichte, düster und voller Löcher und niemand, niemand, kein Bildungsminister, hat je einen Finger darüber erhoben. Auswendig lernen und rezitieren von zwölf Werten, oder andere, Gehirn zermürbende Aufgaben. Wir erzeugen lieber Mentalität der Masse als Persönlichkeit, die in eigene Meinung, manchmal sogar Weisheit mündet. 

Seinerzeit mag das kein Problem gewesen sein, weil die Welt klein war und die Leute weder Google, You Tube, Wiki oder - keine Neugier - gehabt haben. Aber unser Sprung nach nicht korrigierbarem Nicht-Wissen Status hat so stark zugenommen, erstens aufgrund von Technologie und dem Umstand, dass die Fronten der Welt in gegenseitige Richtungen zulaufen, und zweitens unter den aktuellen Bedingungen: Vorenthalten von Wissen ist offizielle Politik.

Nimm als Beispiel den kürzlichen Kommentar des Bildungsministeriums. Wenn jemand, der daran ist, unseren Weg mit einem Bulldozer in Richtung Erleuchtung zu führen, sich entscheidet, das es dabei besser ist, das Licht auszuschalten, sind wir ganz tüchtig alleine im dunkeln gelassen. 

Manche argumentieren, dass diejenigen, die ihre Stimme erheben selbstsüchtig und unpatriotisch sind, weil wir in einer ruhigen und glücklichen Atmosphäre leben. Wie dumm. Genau weil wir es vorziehen zu schweigen statt zu diskutieren, bestätigen wir unser Nicht-Wissen und werden irgendwann in ein teuflisches schwarzes Loch fallen, während die Welt um uns herum in Lichtgeschwindigkeit vorüberzieht. Wir leben in einer ruhigen Atmosphäre auf, genau, auf einem schlafenden Vulkan.

Was uns zurück bringt auf das nicht Aussprechbare, diese Polizisten und ihre Helfer. Vor diesem unglaublichem Fall war das Ausschalten von Wissen, manchmal nur Informationen, einer Vorstufe von Wissen, war die Willfährigkeit braver Bürger. Was das kollektive Gefühl nun ändert, ist die Kraft dieses grossen Stroms von inoffiziellen Kanälen, Technologien und neuem Bewusstsein. 

Sie haben die Glastür zerschlagen, und jetzt wollen wir mehr sehen - nicht weil wir hungrig nach Skandalen sind, sondern weil es Teil unserer Bestimmung ist. Wir sprechen nicht darüber, worüber Leute nicht sprechen, auch wenn jeder weiss, worüber jeder spricht, und auch, weil wir uns kaum mehr halten können darüber zu sprechen.

Dieses Spiel von Sprechen mit Nicht-Sprechen macht irgendwie Spass, aber es weiterzuspielen bestätigt unser Nicht-Wissen. Es bestätigt unsere Ignoranz und führt wahrscheinlich zu unseren Untergang.

Quelle: Bangkok Post

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