Sonntag, 7. Dezember 2014

Thailand setzt wieder auf Strom aus Kohle

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Um seinen wachsenden Hunger nach Strom zu nähren, steht Thailand kurz vor der Fertigstellung des grössten Kohlekraftwerks in Südostasien. Nicht in Thailand, aber gleich hinter der Grenze, in Laos.
Hongsa Laos
Das Hongsa Kohlekraftwerk in Laos wird bald fertigstellt.
Das 3.7 Mia. Dollar teure Projekt wird Strom für 2 Millionen Haushalte in Thailand liefern. Aber der Widerstand gegen den schmutzigsten aller fossilen Energieträger hat die Energieproduzenten nach Laos getrieben, wo die Opposition schwächer und Standards tiefer sind.

Der Schritt zeigt, dass in wirtschaftlich starken Ländern die Versorgung mit immer mehr Energie immer dringender wird, nachdem die ländliche Bevölkerung traditionelle Brennstoffe wie Holz und landwirtschaftliche Abfälle aufgegeben hat und auf Strom setzt.

Dieser Wandel macht Südostasien zu einem Wachstumsmarkt für Kohle, welche auf den tiefsten Preis seit mehr als einem Jahrzehnt gefallen ist, nachdem die Nachfrage von Grosskunden aus China einbrach.

Thailand stützt sich bereits auf Laos und Malaysia, kauft 7 Prozent seines Stroms dort, und hat Pläne auch aus Myanmar und Südchina Energie zu beziehen. Der Aufbau eines Kraftwerks ausserhalb seiner Grenzen erlaubt dem Land Verzögerungen bei industriellen Grossprojekten zu vermeiden.

Im Ausland geht's einfacher

Nicht zum ersten Mal verwendet Thailand diese Strategie. Bereits in 1990er Jahren gab es einen ähnlichen Ansatz mit Wasserkraft, als es Bedenken im eigenen Land wegen Schädigung der Ökosysteme gab und Gemeinden mit Entwurzelung konfrontiert wurden, sagt Aviva Imhof, Koordinator von Sunrise Project, welches sich gegen den Einsatz von fossilen Brennstoffen einsetzt.

Während Thailand in den letzten Jahren keine grossen Kohlekraftwerke bauen konnte, hat die staatliche Elektrizitätsgesellschaft EGAT Vorkehrungen getroffen, Strom aus Kohle aus den Nachbarländern zu importieren, zusätzlich zu Strom aus Wasserkraft, 7'000 Megawatt alleine aus Laos.

Hongsa Kohlekraftwerk

Das Kohlekraftwerk Hongsa, an dem 5 Jahre gebaut wurde, wird 1'878 Megawatt Strom liefern. Im Juni 2015 soll der Betrieb aufgenommen werden, bis Anfang 2016 die volle Leistung erreicht werden, sagt die in Bangkok ansässige Banpu Public Co. Ltd, welche 40 Prozent der Anteile hält. Die Ratchaburi Electricity Generating Holding Public Co. Ltd hält weitere 40, das staatliche Lao Holding State Enterprise die restlichen 20 Prozent.

Das Hongsa Projekt veranschaulicht das Dilemma südostasiatischer Volkswirtschaften. Einerseits soll die Energieversorgung genügen, dann noch günstig und auch sauber sein.

Keine Studie auf Umweltverträglichkeit

Die Hongsa Anlage wird Braunkohle, den dreckigsten Kohletyp, aus den umliegenden Bergwerken verbrennen. Songkrant Pongboonjun, ein Anwalt von Earthrights International, einer NGO, welche von Industrieprojekten vertriebene Gemeinden unterstützt, sagt, die Auswirkungen der Anlage auf die Umwelt in Thailand sei nicht untersucht worden. Sie liegt nur 30 Kilometer von der Grenze.

Die Banpu erklärt, dass Hongsa wie auch die Bergwerke für den Kohleabbau die internationalen Umwelt und Compliance Standards erfülle. Berichte würden regelmässig der Regierung von Laos, welche eng mit den Akteuren zusammenarbeitet, vorgelegt. Ratchaburi Co., Lao Holding und staatlich Thailändische Elektrizitätsbehörde EGAT verweigern Auskünfte.

Für ein armes Land wie Laos, dass wenig Industrie hat, liefert Strom dringend benötigte Einnahmen. Bei voller Auslastung wird Hongsa das grösste Kraftwerk des Landes sein und das erste, das Kohle verbrennt.

Laos selbst bezieht den Grossteil seines Stroms aus Wasserkraft. Von seiner Produktion verkauft es zwei Drittel nach Thailand. Aktivisten sagen, in Laos gebe es wenig organisierten Widerstand gegen grosse Kraftwerkprojekte. Viraphonh Viravong, der laotische Aussenminister, sagte im Oktober, dass sein Land den Export von Strom nach Thailand vorantreibe, insbesondere Strom aus Wasserkraft, weil er das notwendige Kapital bringe, seine Energieressourcen voll auszubauen.

Er sagt, Hongsa bringe Arbeitsplätze und Einkommen für die Laoten. Knapp 90 Prozent des in der Anlage produzierten Stroms werde nach Thailand gehen, Laos profiere von einem konstanten Strom, einem Strom an Einkommen, meint Chanin Vongkusolkit, CEO von Banpu. Hongsa werde auch bessere Infrastruktur bedeuten, neue Strassen, Schulen, Dienstleistungen und Ausbildungsmöglichkeiten.

Keine Kohle Phobie mehr in Thailand? 

Thailands Kohle Phobie sitzt tief, zu einem grossen Teil herrührend von einem umstrittenen Projekt im Norden des Landes. Mitte der 1970er Jahr wurden ein Kohle- und ein Bergwerk in Mae Moh in der Provinz Lampang gebaut, es verdrängte Zehntausende von Menschen aus der Region. 

Hunderte starben aufgrund von Atemwegserkrankungen und Gruppen wie Greenpease hatten das Projekt für die Umweltschäden verantwortlich gemacht.

Ein hochrangiger Thailändischer Regierungsbeamter sagt heute, die Auswirkungen des Projektes auf öffentliche Gesundheit und Umwelt wurde übertrieben.

Thailand bezieht derzeit mehr als die Hälfte seines Stroms aus Erdgas, welches drei- bis vier Mal so teuer wie Kohle ist, aber viel sauberer. Jetzt aber drängt es auf weitere Kohlekraftwerke, darunter eines in der Nähe von Krabi.

Auch in der Nachbarschaft. Im Oktober vereinbarte ein Konsortium aus Thailändischen, Burmesischen und Japanischen Unternehmen eine Studie für ein 2'640 Megawatt Kohlekraftwerk bei Myeik im Süden Myanmars, weniger als 50 Kilometer von Thailand.

Quelle: Chiang Rai Times

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