Dienstag, 18. November 2014

Insektenforscher in Thailand verhaftet - die Stellungnahme von Dr. Karel Cerny

Keine Kommentare :
Mitte Oktober wurde der Dr. Karel Cerny zusammen mit dem deutschen Insektenforscher Thomas Ihle und weiteren Kollegen im Nationalpark Doi Phahom Pok verhaftet. Nachdem in den Medien bisher nur die Darstellung der Behörden über die Gründe der Festnahme erschien, hier nun die Stellungnahme des renommierten Wissenschaftlers selbst, was wirklich geschah:

Insektenforscher Dr. Karel Cerny
Mein Name ist Dr. Karel CERNY und im Oktober wurde über mich in den thailändischen Medien berichtet, dass ich mit drei Partnern im Nationalpark Doi Phahompok beim Sammeln von Schmetterlingen festgenommen wurde. Es wurde jedoch nichts über die Hintergründe meiner Tat und nur wenig über die Umstände der Festnahme berichtet. Diese Lücke möchte ich mit diesem Beitrag füllen.

Ich befasse mich seit mehr als fünfzig Jahren mit dem Studium der Systematik und Zoogeographie der Schmetterlinge der Gruppe Tigermoths (Arctiidae), vorwiegen im südostasiatischen Raum. Im Jahr 2005 wurde ich vom berühmten Wissenschaftler Bro. Amnuay Pinratana aus Bangkok gefragt, ob ich bereit wäre, gemeinsam mit ihm diese Schmetterlinge in Thailand zu revidieren und ein Buch, das insbesondere der Wissenschaft und dem Naturschutz dienen sollte, herauszugeben. Nach den erforderlichen Grundlagen suchte ich in Literatur, in Sammlungen und in der Natur. Die Forschungsreisen finanzierte ich selbst. 

Im Jahr 2009 erschien in Bangkok unser Buch, in dem insgesamt 406 Arten behandelt wurden, von denen 94 neu für Thailand und 71 neu für die Wissenschaft waren. Bereits in dem Augenblick war jedoch klar, dass unsere Arbeit noch nicht beendet wurde und dass man für die zweite Auflage zusätzliche Informationen besorgen muss. 

Es ist mir nicht gelungen vom zuständigen Ministerium eine Unterstützung in Form von einer Sammelgenehmigung zu erhalten und so musste ich nach den Zusatzinformationen außerhalb von Schutzgebieten suchen. In 3 weiteren Arbeiten wurden 5 zusätzliche Arten aus Thailand beschrieben und weitere Arbeiten sind in Vorbereitung.

Im Herbst 2014 entschieden sich drei weitere Wissenschaftler sich meiner Forschungsreise anzuschließen. Wir suchten unsere Zielgebiete aufgrund vom gewöhnlichen Kartenmaterial aus, auf dem es keine Hinweise bezüglich des derzeit geltenden Schutzstatus von Doi Phahompok gab und auch Thomas IHLE, der bereits seit 15 Jahren in Thailand lebt und gut die Landessprache versteht und sie lesen kann, fand entlang der Zufahrt keine Hinweise darüber, dass unsere Zielfläche seit xx Jahren zum Nationalpark gehört. 

Die bewaffneten Männer im Checkpoint am Anfang der Grenzstraße informierten uns über den Schutzstatus des Gebietes nicht. Viel mehr halfen sie uns jene Nachtfalter zu sammeln, die während der Nacht von der Beleuchtung des Checkpoint angelockt wurden.

Eine weitere Gruppe bewaffneter Männer begegneten wir gegen 16 Uhr, etwa fünf Stunden vor unserer Festnahme auf jener Stelle, wo wir die nächtliche Beobachtung durchführen wollten. Diese Männer beobachteten kurz unsere Aktivität und unterhielten sich mit Thomas Ihle über die Gefahren, die von den Schmugglern aus Myanmar und von Zecken zu befürchten waren. Über andere Einschränkungen sagten uns auch diese Männer nichts. 

Fünf Stunden später kamen sie mit einer Verstärkung wieder, einer von ihnen erklärte uns, dass er der Direktor des Nationalparks war und ließ uns aus den bekannten Gründen festnehmen. Bis dahin fand ich etwa 300 Stück in 97 Arten der von mir untersuchten Gruppe, viele davon neu für die Provinz. Es ist eine Menge, die ein Vogel oder eine Fledermaus täglich zum Ernähren braucht und viel weniger, als auf einem einzigen Baum im Wald lebt. Auch die herbeigerufenen Sachverständigen fanden mit Hilfe der von unserer Gruppe herausgegebenen Bücher in unserer Ausbeute keine geschützten Organismen.

Wir gaben dennoch unseren Irrtum zu, bezahlten den entstandenen Schaden und die auferlegten Strafen und verließen das Land vor dem Ablauf unserer Visa. Dennoch bleiben für mich einige Fragen offen:

  • Der Forstbehörde ist der Wert der wildlebenden Organismen bewusst. Dennoch war sie nicht einmal nach 14 Jahren seit der Gründung des NP fähig, einen der wichtigsten Zugangswege mit den nach Art. xx des Nationalparksgesetzes vorgeschriebenen Hinweisschildern auszustatten. Warum passierte dies bislang nicht?

  • Wenn man den Wert der im Urwald lebenden Organismen so hoch schätzt, wieso werden jedes Jahr Tausende Hektar des Waldes in wenig ertragreiche Kautschuk -, oder Ölpalmenplantagen umgewandelt und dies auch in den Nationalparks.


  • In einigen Dörfern im Nationalpark brennen hunderte Lampen, die jede Nacht Abertausende von Insekten das Leben kosten. Diese sollten längst gegen insektenschonende Lichtquellen ausgewechselt werden. Wann werden die wirklich wichtigen negativen Einflüsse in dem Schutzgebiet beseitigt?


  • Bei der Beschlagnahme unserer Ausrüstung handelte die Forstbehörde wenig schonend. Während wir nur die wenigen wissenschaftlich interessanten Individuen unter den angeflogenen Insekten aussuchten, verpackten die Rangers unsere Ausstattung mit tausenden anderen Insekten in Plastiktüten und ließen sie dort qualvoll verenden. Warum?


  • Während unserer ersten Begegnung wusste der Direktor bereits, dass wir den Hauptweg verlassen haben und somit gegen die Vorschriften verstießen. Sollte er nicht nach Art. xx des Nationalpark Gesetzes sofort eingreifen und einem größeren Schaden vorbeugen? Er konnte auch die Gelegenheit nutzen und uns operativ eine Sammelgenehmigung für eine Nacht erteilen, wobei wir ihm die Ergebnisse gern zur Verfügung stellen würden. Somit würde er ohne einen zusätzlichen Aufwand einen wertvollen Beitrag zum Naturinventar des anvertrauten Gebietes oder sogar einen Vergleich zwischen einem gesunden Wald und einer noch jungen Aufforstung erhalten. Diese könnte er als eine Grundlage zur Durchführung von weiteren Revitalisierungen verwenden.


Es scheint, dass die zweite Auflage des Buches aufgeschoben werden muss.

Dr. Karel CERNY

Besten Dank an Marc de Roche, Redaktor von Insecta Nostra, wo der Text ebenfalls veröffentlicht wird.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen