Sonntag, 23. November 2014

Gestern Lohn erhöht, heute auf der Strasse - Beamte in Thailand fürchten um ihren Job

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Pirach Chaunlakhon, 37, seit 2 Jahren angestellt von der Gemeindeverwaltung in Udon Thanis Stadtteil Kumphawapi wurde Anfang Monat plötzlich gekündigt. 2 seiner Kollegen ereilte das gleiche Schicksal. 


Mindestlohn Thailand
Kausal für Beamte: Mindestlohn- ohne Budgeterhöhung. 
Am 3. November teilte ihnen der Gemeindeschreiber mit, dass ihre Verträge aufgrund zu hoher Personalkosten nicht verlängert würden, da die Gemeinde ansonsten gegen den Artikel 35 der Verordnung über lokale Verwaltungen von 1999 verstösst. Die Nachricht traf ihn so plötzlich, dass er nicht wusste, wie er das Schulgeld für seine 2 Kinder und Arztrechnungen seines Vaters bezahlen sollte.

Die Kündigung steht in starkem Kontrast zur Erhöhung der Gehälter von ihm und seiner Frau, welche in der gleichen Verwaltung tätig ist. Beide zusammen erhielten vor nicht langer Zeit eine Lohnerhöhung auf insgesamt 18'000 Baht im Monat. Pirach selbst hatte zu Beginn nur 4'000 Baht verdient.

Dank des kombinierten Lohnes, konnten sie sich ihr Leben freier gestalten, investierten, auch mit einem Bankkredit, in eine Zuckerrohrplantage.

Ähnlich erging es seinem 38-jährigen Kollegen Pariyut Puttaku. Auch er wurde für 4'000 Baht im Monat angestellt, obwohl er Abitur vorweisen konnte. Als Anfang 2012 der Mindestlohn auf täglich 300 Baht erhöht wurde, stieg sein Gehalt auf 9'000 Baht. Das ermöglichte ihm, einen Kredit von 350'000 Baht für ein neues Haus aufzunehmen und Geld für die Ausbildung seiner 2 Kinder zu sparen.

Er arbeitete 10 Jahren bei der Gemeinde, hatte seine Arbeit immer pflichtbewusst und nach bestem Wissen ausgeführt. Sein Akte ist unbefleckt. Doch am 30. September wurde ihm gesagt, dass sein Vertrag aufgelöst wird. So plötzlich, dass er nicht weiss, wie er mit seinen Schulden und den täglichen Ausgaben umgehen soll.


Die Kündigungen stehen denn auch im starken Zusammenhang mit der Erhöhung des Mindestlohnes auf 300 Baht pro Tag und dem Einstiegsgehalt von Universitätsabgängern mit Bachelor Abschluss von 15'000 Baht im Monat. Die Verordnung für lokale Verwaltungen, auf der die Kündigungen beruhen, schreibt vor, dass die Personalkosten nicht mehr als 40 Prozent der Ausgaben betragen dürfen. 

Der Präsident der Vereinigung der Verwaltungsbeamten von Thailand in Udon Thani erläutert, dass Entscheide über Gehaltserhöhungen von der Zentralverwaltung gemacht, die Budgets der lokalen Gemeinden aber nicht angepasst würden. Viele, vor allem kleinere Verwaltungen, würden zur Zeit die 40 Prozent Marke überschreiten.

Er spracht an einem Forum für Verwaltungsbeamte in Khon Kaen, welches sich mit Leitlinien, Rechtsverfahren und Entschädigungen im Zusammenhang mit Kündigungen befasste. Es wurden auch Lösungsansätze gezeigt, wie die Gemeinden mehr Mittel abrufen und so die gestiegenen Personalkosten decken können.


Viele Arbeitsverträge langjähriger Beamter mit Gehältern zwischen 10 und 20'000 Baht wurden aufgelöst, die Leute anschliessend wieder neu mit einem tieferen Lohn von 9'000 Baht wieder angestellt. Der Präsident warnt, dass sich dies in den kommenden 3 bis 5 Jahren häufen wird.

"Nach Gesprächen mit Beamten erfuhr ich, dass etlichen nahe gelegt wurde, zurück zu treten, so, dass sie auf temporärer Basis mit tieferem Lohn wieder angestellt werden konnten. Anschliessend werden sie nach Ablauf für für eine Vertragsverlängerung beurteilt und erneut fix angestellt", erklärte der Präsident. Andere, wie Pirach, wurden entlassen.

Die lokalen Gemeindeverwaltungen in Thailand beschäftigen um 200'000 Personen, mehr als 10'000 wurde alleine am 1. Oktober gekündet.

Letzten Dienstag hatte die Regierung beschlossen, den Beamten per 1. April nächsten Jahres 4 Prozent mehr Lohn zu geben. Eine Entscheidung, die viele gewöhnliche Beamte nachdenken lässt, ob es ihnen wie Pirach oder Pariyuth ergehen wird. 

Quelle: Nation

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