Samstag, 1. November 2014

Für Ausbildung bleibt keine Zeit - Schulen in Thailand fördern nur traditionelle Werte

Keine Kommentare :
Er ist 16 Jahre alt und lernt 13 Stunden pro Tag. Der Schüler Worapat besucht Mattayom 4, die erste Klasse der höheren Sekundarschule und verschwendet keine Zeit dafür, sich eine Vorstellung zu machen, was gemäss der Militärregierung einen guten Thai ausmacht. 


Schule Thailand
Sinnbild für die Ausbildung: Morgenappell an einer Schule in Thailand.
Prayuth und seine Generäle haben Schulreformen priorisiert, um ein starkes Gefühl der nationalen Identität - oder modern gesagt Thainess - einzuimpfen. In einem Land, dessen traditionelle Werte auf bedingungslosen Respekt für Monarchie, Religion und Älteste basieren.

Worapot, dessen Eltern beide als Beamte arbeiten und zusammen 60'000 Baht pro Monat verdienen, würde ein Bildungssystem, dass sich auf den Arbeitsmarkt ausrichtet, bevorzugen. 

"Jetzt wird es sogar noch schlimmer", sagt Worapot und setzt sich auf die Treppe, die zur Sprachschule in einem Einkaufsviertel in Bangkok führt, wo er Nachhilfeunterricht in Englisch nimmt.


Über Jahr hinweg hat die Ausbildungsqualität in Thailand gelitten. Auswendiglernen und Beibringen von Fähigkeiten für einfache Arbeiten unterstützten und unterstützen die boomende Mittelschicht nicht, welche bessere Arbeitsplätze und höhere Bezahlung anstrebt.

Die von der Junta geplanten Reformen geben darauf keine Antwort. Immer noch unter Kriegsrecht, hat sie der Bildung das grösste Stück vom nationalen Budget 2015 gegeben. 

Höhere Löhne für Lehrer und neuer nationalen Lehrplan sind das Ziel. Der soll schon im nächsten Mai mit Beginn des neuen Schuljahrs eingeführt werden. Abgesehen von mehr Raum für thailändische Geschichte und Kultur, werden Lektionen in moralischer Tugend eingeführt.

Thailands Bildungssystem wird schon beinahe traditionell als eines der Schlimmsten in Südostasien bezeichnet. Im UN Develpoment Program 2014 wird seine Qualität an 89. Stelle von 187 Ländern geführt.

Paradoxerweise gibt Thailand sehr viel für Bildung aus, sogar mehr als Deutschland.

"Die Art und Weise, wie die Regierung bestimmte Werte fördert, passt nicht in die Entwicklung von Fähigkeiten für das 21. Jahrhundert", sagt Mai Sirpatanaskul, Projektleiter an Thailands Entwicklungs- und Forschungsinstitut TDRi, einem unabhängigen Think Tank.


"Die meisten Bachelor Absolventen haben nicht die grundlegenden Fähigkeiten, welche Unternehmen an sie stellen. Zum Beispiel praktische Beherrschung der englischen Sprache, Kommunikation, Zeitmanagement und Verhandlungsfähigkeiten", sagt Krisda Utamote, Direktor Kommunikation von BMW Thailand.

Worapots Frust mit den neuen Richtlinien wird verstärkt durch die Aussicht, dass der Arbeitsmarkt in Thailand ab nächstem Jahr geöffnet wird und 600 Millionen Menschen aus Südostasien Zugang finden. 

Er will mit Leuten aus Singapur und Malaysia konkurrieren können, nicht mit moralischen Regeln und nationalistischen Gefühlen bevormundet werden.

"Ich will gleich gut oder besser sein, nicht lächerlich gemacht werden", sagt er abschliessend und widmet sich wieder der Thai/Englisch App auf seinem iPad.

Quelle: Chiang Rai Times

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen