Mittwoch, 25. März 2015

Die vergessenen Soldaten von Mae Salong

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Mae Salong, hoch oben in den Hügeln nahe der burmesischen Grenze, wurde der Zuflucht- und Heimatort von einem Regiment Kuomintang Soldaten und ihren Familien. Sie waren 1950 von den nahenden Truppen Maos nach Burma geflüchtet.

Santikhiri
Mae Salong oder Santikhiri, wie es heute heisst, im Goldenen Dreieck.
"Sie sind besser als zuvor", meint der heute 85-jährige Zhan Dening. Als Teenager war er Funker in Tschiang Kai-sheks Armee. Nach wie vor lehnt er die Kommunisten ab. Aber er sagt, trotzdem hätten sie China stärker und lebenswerter gemacht. 

Somboon, Guesthouse Besitzer und Sohn eines Kuomintang Generals meint, in China herrsche keine Freiheit. Chinesische Touristen, die bei ihm übernachten, mögen China nicht.

Flucht nach Burma

Als Mao Zedong am 1. Oktobter 1949 die Volksrepublik China verkündete, endete ein jahrelanger Bürgerkrieg mit Millionen von Toten. Die unterlegene Kuomintang um Tschiang Kai-Shek flüchtete nach Taiwan. Aber einige Truppen führten den Kampf in entlegenen Gebieten weiter, so auch in Yunnan.


General Tuan Shi-wen
General Tuan Shi-wen 1967. Sein Mausoleum steht auf einem der Hügel bei Mae Salong.
1950 zog sich die 93. Division von General Tuan Shi-wen über die Grenze nach Burma in den Shan State zurück und führte dort mit ihren Familien für die nächsten 10 Jahre ein Nomadenleben. Gelegentlich unternahm sie Streifzüge nach Yunnan, sie mussten sich aber auch gegen burmesische Einheiten wehren, die sie vertreiben wollten.

Mit 14 Soldat

Einer von ihnen war Zhan, der Bauernjunge, welcher sich mit 14 den Kuomintag angeschlossen hatte. 10 Mitglieder seiner Familie starben im Bürgerkrieg. Sie waren entweder verhungert oder von den Kommunisten getötet worden. Sein Grossvater musste ihnen als Leibeigener dienen.


10-jähriger Kindersoldat der Kuomintang.
Zhan wurde Funker und später enger Vertrauter von General Tuan. Die abtrünnigen Truppen wurden von Taiwan und dem CIA mit Waffen und Vorräten unterstützt. In den 50er Jahren starben viele bei Kämpfen, 4'200 siedelten nach Taiwan um, dann verweigerte die Regierung in Taipei die weitere Aufnahme.

Die alte Garde wie Zhan war von ihren Kameraden und Tschiang Kai-sheks Taiwan im Stich gelassen worden. Gegen Ende der 50er reisten sie im Dreieck Burma, Laos und Thailand herum, auf der Suche nach einem Ort, wo sie sich niederlassen konnten.

Unsteter Frieden im entlegenen Mae Salong

1961 dann brachen die verbliebenen Soldaten und ihre Familien auf und machten sich mit ihren Packpferden auf den Weg nach Mae Salong.

Die Gegend war damals sehr abgelegen, nur ein paar Dörfer von Bergvölkern lagen verstreut im Dschungel. Viele wilde Tiere streiften umher, auch Bären und Tiger. Zhan erinnert sich, dass einmal ein Tiger das Pferd eines Soldaten riss. 

Somboon, der Sohn eines Generals und einer Sanitäterin wurde 1954 in Doi Tung geboren. 


Er erinnert sich, wie er als Kind in die nächst gelegene Stadt Mae Chan laufen musste und Lebensmittel und andere Vorräte in einer Tasche auf dem Rücken zurück bringen musste. Der Weg hin dauerte 9, zurück die Berge hinauf 12 Stunden. 

Die thailändische Regierung war zunächst misstrauisch gegenüber den Neuansiedlern. Sie erlaubte ihnen aber zu bleiben, als sie zusagten, die Regierung im Kampf gegen den kommunistischen Aufstand in Nord Thailand zu unterstützen.

Die kriegsmüden Kuomintang Soldaten wurden um jüngere Rekruten wie Somboon ergänzt. Mit 12 trat er den Truppen bei, mit 17 war er bereits Hauptmann. Er erinnert sich an erbitterte Kämpfe mit ethnischen Miao rund um Chiang Khong, in der Provinz Nan und anderen Regionen im Norden Thailands.

Verwickelt in Drogenhandel

Mae Salong wurde durch seine Lage mitten im Golden Dreieck in späten 60er und 70er Jahren ein wichtiges Zentrum im Heroinhandel. Die ehemaligen Soldaten, ohne Mittel im Stich gelassen, wurden berüchtigte Drogenhändler, kämpften diesmal gegen Drogenbarone wie Khun Sa.


Tee Plantage Santikhiri
Statt Opium wird heute Tee angebaut.
Heute sind die Thai Kommunisten schon lange besiegt, Khun Sa ist tot. Regierungsprogramme haben geholfen, die ehemaligen Opiumfelder in Teeplantagen umzuwandeln. Mae Salong wurde ein touristischer Ort mit Resorts und Coffee Shops, damals aber gab es weder Strassen noch Elektrizität.

Aus Mae Salong wird der Hügel des Friedens

Den meisten Veteranen wurde die thailändische Staatszugehörigkeit gewährt, das Dorf in Santikhiri, Hügel des Friedens, umbenannt. Noch immer fühlt man sich wie im südwestlichen China. 

Die Häuser mit ihren roten, im chinesischen Stil geschwungenen Dächern, den roten Laternen, welche auf die Teestuben in den Gassen hinweisen und überall ist der yunnesische Dialekt zu hören. In den Gaststätten werden Schweinefleischbrötchen statt Tom Yam Gung serviert.


Der Guesthouse Besitzer und ehemalige Soldat Somboon ist stolz, Thai zu sein. Er mag die chinesischen Touristen nicht, sie sind laut und unhöflich. Zhan hingegen findet es gut, dass sie kommen. "Sie bringen Geld in die Stadt."

Er lebt nach dem Tod seiner Frau alleine, die drei Söhne haben Mae Salong verlassen. Einer arbeitet auf einer Baustelle in Taiwan. Zhan fühlt sich einsam, manchmal weint er in der Nacht.

Zwei Dinge bedauert er. Dass die Kommunisten nicht geschlagen wurden und er in Mae Salong leben musste. "Meine Seele ist und bleibt chinesisch."


Strecke von Chiang Rai nach Santikhiri
Von Chiang Rai nach Mae Salong, spannende und spektakuläre Fahrt. 
Mae Salong, oder Santikhiri, liegt knapp 80 Kilometer westlich von Chiang Rai, nur unweit der Grenze zu Myanmar.

Quelle: Chiang Mai City News

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