Dienstag, 21. Oktober 2014

Deutscher Wissenschaftler auf Insektenfang in Nationalpark verhaftet

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Der deutsche Entomologe und Zoologe Thomas Ihle und 3 weitere Wissenschaftler aus Österreich und Tschechien wurden von der Polizei der Provinz Chiang Mai verhaftet. Sie hatten für ihre Forschungsarbeit nur eine Genehmigung des Militärs, nicht aber von der Parkverwaltung.

Doi Phahom Pok Nationalpark
Doi Phahom Nationalpark im Goldenen Dreieck.
Die 4 Wissenschaftler wurden von Forstbeamten und der Grenzschutzpolizei im Doi Phahom Pok Nationalpark am letzen Freitagabend festgenommen. Anwohner meldeten den Beamten, eine Gruppe ausländischer Touristen hätte ihre Zelte ohne Genehmigung im Nationalpark aufgeschlagen.

Der Doi Phahom Pok Nationalpark liegt im Goldenen Dreieck ganz oben im Norden Thailands an der Grenze zu Myanmar, die nächst gelegene grössere Stadt ist Fang. Er wurde 2000 gegründet und umfasst 524 Quadratkilometer. Neben Grosstieren wie Bären und Wildschweinen finden sich auch viele seltene Schmetterlinge.


Thomas Ihle lebt seit 1999 in Thailand und widmet sich als freier wissenschaftlicher Mitarbeiter verschiedener deutscher Museen vorwiegend der Feldforschung mit dem Schwerpunkt Schmetterlinge. Er führt Exkursionen in Thailand, Laos, Vietnam, Myanmar und Nepal durch.

Die Polizei beschlagnahmte bei der Festnahme mehr als 1'000 Schmetterlinge, verschiedene Reptilien und eine weitere Anzahl an Käfern und Insekten. Die Wissenschaftler hatten die Insekten mit einem Neonlicht angelockt, dann eingnetzt und in Flaschen verpackt.

Offiziere fanden weitere Beweismittel wie Werkzeuge, Flaschen, Spritzen und Kunstoffbehälter. 

Die Männer wurden verhaftet und auf die Polizeistation in Mae Ai gebracht. Inzwischen wurden sie aus der Haft entlassen, Vorkehrungen für einen formalen Kautionsantrag erstellt. Ihre Pässe wurden konfisziert.

Die Polizei sagt, dass Touristen nur dann im Nationalparks übernachten können, wenn sie eine Erlaubnis der Parkverwaltung haben. Die Verwaltung muss dabei prüfen, dass keine Pläne bestehen, Tiere einzufangen.


Quelle: Chiang Mai City News

1 Kommentar :

  1. Thomas Ihle, einer der verhafteten Insektenforscher, schreibt dazu:

    Wir sind nicht so dumm. Wir wissen wohl, dass das Sammeln von Tieren in den Nationalparks von Thailand verboten ist, wie überall in der Welt.
    Wir wollten den nördlichsten Teil von Thailand besuchen, weil dort die Fauna der Lepidoptera besonders reichhaltig ist. Es ging darum, weiteres Material für die überarbeitete Ausgabe von "Moths of Thailand" (Volume 6, Arctiidae) zu sammeln. Der Autor dieses Werkes, Karel Cerny, war auch dabei.
    Auf der Asphaltstraße, die wir befuhren, gibt es immer wieder militärische Truppen, weil die Straße die Grenze zwischen Thailand und Myanmar bildet. Entlang der Straße und ihrer Umgebung sind keine Informationen, die auf einen Nationalpark hinweisen. Am Eingang zum Wald gibt es einen Kontrollposten mit bewaffneten Soldaten. Sie kontrollierten die persönliche Dokumente unserer Fahrer und checkten das Fahrtenbuch des Wagens. Sie fragten uns nach dem Zweck unserer Reise. Wir erklärten, dass wir Schmetterlinge sammeln gehen und demonstrierten es mit einem Netz und einem Falter auf dem Gebäude. Der Wachmann gab uns eine Erlaubnis zum Befahren des Grenzgebiets ohne Einschränkungen.
    Später am Nachmittag fanden wir eine passende Stelle und begannen unsere Zeite aufzubauen. Da kam ein Wagen vorbei mit vier Personen. Sie sorgte sich über die Tatsache, dass wir hier übernachten wollten. Sie warnten von Zecken und vor kriminellen Elementen aus dem Nachbarsland, die uns überfallen könnten. Sie gaben uns Früchte zum Abschied und sahen, dass einer von uns ein Schmetterlingsnetz in der Hand hielt.
    Spät in der Nacht kehrten dann die gleichen vier nochmals zurück, diesmal begleitet von Soldaten. Was folgt, ist im einleitenden Text dieses Threads beschrieben.
    Die Journalisten wurden jedoch nur von der Direktion des Nationalparks informiert. Wir waren im selben Raum, aber wir hatten keine Möglichkeit, einen Kommentar abzugeben.

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