Sonntag, 14. September 2014

Wird Thailand zum Fatland?

1 Kommentar :
Wird Thailand zum Fatland?
Wohlgenährt motorisiert unterwegs. 
Thailand ist bekannt für seine einzigartige Küche. Von Tom Yam Gung über Currys zu Som Tam, dem scharf gewürzten Papaya Salat. Viele der ursprünglich darin verwendeten Lebensmittel schmecken nicht nur, sie sind auch gesund.

Aber in den letzten Jahren lassen anderer Lebensstil und neue Gewohnheiten den bekannt geschmeidigen Körperbau der Thais verschwinden.

Obwohl von der Regierung häufig gewarnt wird, ist das Durchschnittsgewicht stetig gewachsen. Das Ministerium für Gesundheit schätzt, dass 21 der knapp 70 Mio. übergewichtig sind und Thailand in die Top-5 der Gewichtigsten Länder Asiens aufgestiegen ist.

Und, zu allem Übel, scheint dies von den Leuten akzeptiert zu werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO weist darauf hin, das Fettleibigkeit zunehmend ein Problem der Entwicklungsländer wird und den US-Amerikanern der Rang abgelaufen wird.

Bei der letztjährigen Gesundheitsversammlung wurden aufgezeigt, dass die Bewohner von Bangkok am Dicksten sind, während im Nordosten, dem Isaan, die geringste Gefahr zu Übergewicht besteht. Wenn der Trend anhält gerät Thailand zum Fatland. Aber weshalb?


"Immer, wenn ein Entwicklungsland grosse Fortschritte macht, tritt vermehrt Fettleibigkeit auf", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Raj Patel, Autor von "Stuffed and Starved: The hidden Battle for the World Food System".

Multinationale Unternehmen füttern ihre Mitarbeiter mit Fast Food, damit Pausen so kurz wie möglich gehalten werden können. Zucker, Salze und Fette en Masse.

Bestätigt wird die These vom Ernährungsexperten Brian Allen, der seit über 2 Jahrzehnten in Asien ansässig ist. Er weist auch darauf hin, dass die Durchschnittsgrösse der Thais dramatisch gestiegen ist.

Vor dem Fortschritt mussten die Menschen ihre Nahrungsmittel zum grössten Teil selbst herstellen. Das Problem beginnt mit der Verwestlichung. Verarbeitete Produkte, angereichert mit Chemikalien und Konservierungsstoffen. Die gastronomische Entwicklung beeinflusst Verdauung, Makrobiotik und deren Umgebung.

Mangel an Zeit

Eine wachsende Anzahl Menschen in Thailand werden abhängig von Fast Food und Fertigmenus aus Supermärkten. Passend zur hohen Belastung und dem schnelllebigen, urbanen Lifestyle. Es ist üblich, wenig Zeit für's Essen zu haben. Viele der Zuzüger nach Bangkok opfern ihre Gesundheit für in Styropor gefüllte Fressboxen und Hamburger.

Übergewicht bei Frauen in Asien im Vergleich

Zum Vergleich: in den USA sind 62% aller Frauen übergewichtig. Quelle: Quartz

Der Mangel an Zeit wird noch schlimmer, wenn Kinder dabei sind. Üblicherweise arbeiten in Thailand beide Elternteile, da bleibt keine Zeit zu Hause zu kochen. Also gibt man Taschengeld, damit die Kids nach der Schule im 7-Eleven, Big C ihr Abendessen kaufen.

Weder die Jugendlichen noch die Eltern sind sich bewusst, welchen Schaden sie sich mit überschüssigen Fetten und Zucker anrichten.

Eine aktuelle Studie, die Southeast Asia Nutrition Survey, sagt aus, das Thai Kinder in den nächsten 10 Jahren aufgrund von Bewegungsmangel und unzureichender Nährstoffe noch übergewichtigter und einen tieferen IQ haben werden. "Lassen sie die Kinder nicht im Haus am Computer Bildschirm kleben", sagt Dr. Kallaya Kijboochoo, Leiter Ernährungsphysologie der Mahidol Universität.

Restaurants sind keine Ausnahme

"Das Essen, auch in hochrenomierten Gaststätten, wird häufig nicht aus frisch hergestellten Lebensmitteln gekocht. Die Nudeln sind dehydriert, es werden Industrieprodukte verwendet", so Ernährungsexperte Allen weiter, "Strassenstände kochen hauptsächlich auf Basis von Öl." Weiter meinte er, ihnen bleibe keine andere Wahl um Preise tief zu halten und konkurrenzfähig zu bleiben. 

Die gesunde, wenn auch schwierige Alternative

Für Patel kann die Definition von Armut in Ländern mit wachsendem Fortschritt mit Mangel an Auswahl ergänzt werden. Obwohl es in Bangkok einige Bio-Läden gibt, sind die Preise so hoch, dass die Produkte selbst für die Mittelklasse nicht bezahlbar ist.

Billigere Alternativen gibt es kaum. Light und fettarme Produkte können sogar noch schädlicher sein. Fettreie Milch, zum Beispiel, ist voll bepackt mit Zucker. Auch die beliebten "Slim" Kaffees enthalten eine grosse Menge an Zucker, die Inhaltsangaben sind meist so klein gedruckt, wenn überhaupt vorhanden, dass niemand sie liest. Wenn überhaupt das Wissen darum vorhanden ist.

Jeder Thai verbraucht pro Jahr im Durchschnitt 30 Kilogramm Zucker - das 3-fache der maximal empfohlenen Aufnahme von 25 Gramm pro Tag.

Zucker ist tief in der thailändische Kultur verwurzelt. Allen erklärt den Wechsel von natürlichem zu verarbeiteten Zucker. Er empfiehlt auf den Konsum von weissem Zucker, wie in Nudeln oder Reis enthalten, zu verzichten. Auch von Fruchtsäften aus Supermärkten soll man die Hände lassen. Schon ein Glas gibt die für einen Tag benötigte Menge an Kohlenhydraten.

Mangelnde Bewegung

Zweifellos ist der Mangel an Bewegung die Wurzel des Problems. Wer nicht selbst fährt, fährt Taxi und Bus. Thais, und die Städter von Bangkok insbesondere, sind sich ungewohnt zu Fuss zu gehen. In tropischer Hitze, auf verschmutzten Strassen und wackeligen Gehsteigen. 

Noch gilt, auch, und vor allem auch, abseits der Grossstadt, wer genug Geld hat, fährt. Mit wenig Fahrrad, mit etwas mehr Motorrad und später Auto.

Das Gesundheitsministerium hat vor kurzem die Kampagne "Kein Fettbauch" lanciert und motiviert alle, sich richtig zu ernähren und Sport zu treiben. Allen denkt, mit Sport wird es schwierig. In Bangkok gibt es nach wir vor kaum Pärke, dafür wurden neue Einkaufszentren im Dutzend gebaut. 

Für das liebste Freizeitvergnügen der Bangkoker an heissen und stickigen Tropentagen: Bummeln in angenehm klimatisierten Shopping Malls, sich zwischendurch was Kleines oder Grösseres für den Appetit zu gönnen. Gut gezuckert, damit's auch schmeckt.

Auch auf dem Land fettet sich ein. Wie sagt doch ein Freund zu seiner Frau, wenn sie etwas zugenommen hat: Du siehst aus wie eine aus Ban Krut.

Aber auch Lichtblicke. Ein paar Männer des Dorfes treffen sich jeden Tag um 5 zum Biken. Die Besitzerin des Ruam Pol Restaurants setzt sich täglich aufs Rad und umkurvt das Dorf. Morgens früh sind einige Jogger am Strand unterwegs.

Trotzdem, richtig natürlich athletisch bleiben nur Farmer, Bau- und Strassenarbeiter. Wie in der westlichen Welt.

Quelle: Coconut

1 Kommentar :

  1. Erklär mir mal einer warum "Bhutan" an vierter Stelle der Übergewichtigsten Frauen in Asien steht. Es ist kein Aufstrebendes Industriealisiertes Land, eher das gegenteil. Es Schottet sich Regelrecht von den Rest der Welt ab, was ich persönlich mehr für ein Vorteil als Nachteil halte.

    AntwortenLöschen