Montag, 15. September 2014

Aufklärung tut not - Teenager Schwangerschaften in Thailand

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Songkran Thailand
Nicht so aufgeklärt wie man denkt.
Das Wang Nam Yen Krankenhaus in Sa Kaeo hat die Zahl der Teenagerschwangerschaften von 200 auf 75 pro Jahr reduziert. In einem Projekt wurden eine multidisziplinäre Vorgehensweise angewendet.

Das Projekt zeigt erfolgreich auf, dass Sexualerziehung und Vermitteln von Lebenskompetenzen essentiell im Kampf gegen ungewollte Schwangerschaften sind. Den Verantwortlichen gelang es sogar, Kondom Automaten in Schulen Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen zu installieren.

Während dessen plant das Gesundheitsministerium die Umsetzung des Reproduktionsgesetzes. In seinem Entwurf ist vorgesehen, dass Mädchen im Teenageralter leichteren Zugang zu sexueller Aufklärung erhalten und auch im Falle einer Schwangerschaft weiter studieren können.


Erst vor einer Woche wurde bekannt, das in Thailand die Schwangerschaften bei Jugendlichen unter 19 nach wie vor steigt. Während die Geburtsrate allgemein sinkt, gebaren 130'000 Teenager zwischen 15 und 19 ein Kind. Jedes 20. Mädchen in Thailand wird ungewollt schwanger, beinahe doppelt so viele wie 14 Jahre zuvor. 

Pratum Jampa, Krankenschwester des Krankenhauses in Sa Kaeo, informierte anlässlich der 1. Nationalen Konferenz "Gesunde Sexualität" über Teenager Schwangerschaften.

Im Krankenhaus in Sa Kaeo wurde ein Ausschuss gebildet, der aus Krankenschwestern, Lehrern und Jugendlichen besteht. Er wurde von den lokalen Behörden unterstützt. Die Krankenschwestern beschafften sich Informationen über Schwangerschaften von unter 19-jährigen der Region. Im 2011 waren es 192 Mädchen, die Jüngste davon war erst 11.

8 Teenager Mütter gebaren schon ihr zweites Kind, ein Mädchen ihr viertes (!). Zwei der Teenager waren HIV infiziert. Bald wurde klar, dass mangelnde Bildung, mangelhafte Erziehung und fehlende Sexualaufklärung Hauptgründe der verfrühten Schwangerschaften waren.

Der Ausschuss beschloss einen Aktionsplan in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Schulen. Darin wurden bei den Grundschülern Lebenskompetenzen gefördert, die Oberstufe erhielt Sexualerziehung.

Es wurde eine Gruppe von jungen Sprechern gebildet, die mit ihren Alterskameraden über die Themen diskutierten. Eltern wurden in einem Versuch mit Informationen versorgt, um ihre Kommunikation mit den Kindern diesbezüglich zu verbessern, während Schulen mit dem Amt für Formale- und informelle Bildung es den Jung-Müttern ermöglichten, weiter zu studieren.

Der einfache Zugang zu Kondomen sei aber der Schlüssel gewesen. Ein Automat wurde in einer Schule installiert, 6 Stück im Spital selbst, weitere in einem Dorf und einer Berufsschule.

Die nachfolgende Untersuchung zeigt den Erfolg. Während im Jahr zuvor noch 203 Mädchen schwanger wurden, waren es letztes Jahr noch 75.


Ein Bericht von 2011 des United Nations Population Fund, UNFPA, zeigt, das 2009 alleine in den Krankenhäusern Thailands  60'000 Abtreibungen vorgenommen wurden. Abtreibung sind mit wenigen Ausnahmen eigentlich illegal. Es droht eine Strafe von bis zu 5 Jahren Gefängnis oder eine Geldstrafe bis 10'000 Baht. Trotzdem - oder deshalb - gibt es zuhauf illegale Kliniken und Hinterhofärzte, die auf Abtreibungen spezialisiert sind. 2010 fand die Polizei 2'000 Föten auf dem Gelände eines Wat in Bangkok. Es wird vermutet, dass sie aus Abtreibungskliniken stammen.

Professor Roger Ingham, Leiter des Zentrum für Sexuelle Gesundheit an der Universität Southampton bestätigte in seinem Gastvortrag, das die beiden im Projekt angewandten Faktoren aus seiner langjährigen Erfahrung den Unterschied ausmachen.

Kinder haben das Recht, über Beziehungen und Sex aufgeklärt zu werden. Der Zugang zur Geburtenkontrolle muss leicht zugänglich sein. Ingham meinte weiter, erfolgreich könne man nur sein, wenn eine klare Politik der verantwortlichen Stellen zu Grunde liegt und aufgeklärte Eltern mit ihren Kindern positiv über Beziehungen und Sexualität sprechen.

Studien haben gezeigt, das Aufklärung und leichter Zugang zu Verhütungsmitteln keineswegs eine Aufforderung zu mehr Sex ist. Im Gegenteil, Jungen und Mädchen überlegen sich dank ihres Wissens viel genauer, mit wem sie wann Sex haben.

Leider glauben das noch nicht viele. Als wir letzthin mit einem befreundeten, eigentlich aufgeschlossenen Thai Ehepaar zusammen sassen und das Thema anschnitten, meinten sie, nie im Leben würden sie ihre 16-jährige Tochter aufklären. Da könnten sie sie genau so gut einfach jeden Abend auf die Gasse schicken.

Quelle: Nation

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